Im Sommer läuft bei vielen die große Gas- oder Ölheizung nur noch für eine einzige Aufgabe: warmes Wasser zum Duschen. Das ist, als würde man den Backofen anwerfen, um eine Tasse Tee zu wärmen. Eine Brauchwasser-Wärmepumpe macht diesen Job viel günstiger – und lässt die Heizung im Sommer ganz aus. Wie das funktioniert und ob es sich bei Ihnen lohnt, erklären wir hier ehrlich, inklusive der Förderfrage.
Wie eine Brauchwasser-Wärmepumpe funktioniert
Eine Brauchwasser-Wärmepumpe – auch Warmwasser-Wärmepumpe genannt – ist ein Kompaktgerät aus Wärmepumpe und Warmwasserspeicher in einem. Sie steht meist im Keller oder Heizraum und entzieht der Raumluft Wärme, um damit das Trinkwarmwasser zu erhitzen. Das Prinzip ist dasselbe wie beim Kühlschrank, nur umgekehrt: Ein Kältekreis hebt die Wärme der Umgebungsluft auf Duschtemperatur.
Die Faustregel: Rund 70 % der Energie kommen kostenlos aus der Raumluft, nur etwa 30 % sind elektrischer Antriebsstrom. Aus einer Kilowattstunde Strom werden so rund drei bis dreieinhalb Kilowattstunden Wärme.
Wichtig zur Abgrenzung: Diese Geräte machen ausschließlich Warmwasser. Sie sind nicht zu verwechseln mit einer Heizungs-Wärmepumpe, die das ganze Haus beheizt. Wer bereits eine Heizungs-Wärmepumpe besitzt, braucht keine separate Brauchwasser-Wärmepumpe.
Für wen sich das lohnt
Am meisten holt die Brauchwasser-Wärmepumpe in diesen Situationen heraus:
Als Ersatz für einen alten Elektroboiler. Hier ist der Unterschied riesig – dazu gleich mehr. Um die Gas- oder Ölheizung im Sommer abzuschalten. Statt dass der große Kessel monatelang nur fürs Warmwasser taktet und verschleißt, übernimmt das kleine Gerät. In Kombination mit einer PV-Anlage. Läuft die Wärmepumpe tagsüber mit dem eigenen Solarstrom, sinken die Betriebskosten fast auf null – das Warmwasser wird zum praktischen Speicher für PV-Überschüsse.
Der ideale Aufstellort ist ein unbeheizter, frostfreier Raum mit ausreichend Luftvolumen und möglichst konstant milder Temperatur, also etwa 10 bis 20 °C. Stehen dort Abwärmequellen wie der Heizkessel oder eine Gefriertruhe, wird die Anlage noch effizienter – ihre Abwärme wird sozusagen recycelt. Als angenehmer Nebeneffekt entfeuchtet das Gerät den Keller.
Weniger geeignet ist es für Haushalte mit sehr hohem, plötzlichem Warmwasserbedarf, weil das Nachheizen etwas dauert, sowie für sehr kleine oder sehr kalte Räume.
Die Ersparnis in Zahlen
Der Vergleich mit dem alten Elektroboiler macht den Reiz deutlich:
| Alter Elektroboiler | Brauchwasser-Wärmepumpe | |
|---|---|---|
| Stromverbrauch (4 Personen) | 2.000 – 2.400 kWh/Jahr | 600 – 700 kWh/Jahr |
| Stromkosten (bei 0,30 €/kWh) | ca. 600 – 720 € | ca. 180 – 210 € |
| Ersparnis pro Jahr | – | rund 400 – 500 € |
Gegenüber der alten Gasheizung, die im Sommer nur das Warmwasser macht, fällt die reine Kostenersparnis kleiner aus (grob 85 bis 160 € pro Jahr). Der eigentliche Gewinn liegt hier darin, den großen Kessel im Sommer ganz abschalten zu können – das schont die Anlage und spart Verschleiß.
Was das Gerät kostet
Ein Gerät inklusive Speicher liegt typisch bei 2.000 bis 3.500 €, dazu kommt der Einbau. Übliche Speichergrößen sind 200 bis 300 Liter, passend für einen Drei- bis Vier-Personen-Haushalt. Wie schnell sich das rechnet, hängt stark vom Altsystem ab: Gegenüber einem teuren Elektroboiler sind es oft nur wenige Jahre, gegenüber Gas dauert es länger.
Die Förderfrage – ehrlich beantwortet
Hier räumen wir mit einem verbreiteten Irrtum auf: Eine reine Brauchwasser-Wärmepumpe ist nicht über die BEG-Heizungsförderung förderfähig. Die offizielle BAFA-Vorgabe verlangt, dass geförderte Wärmepumpen überwiegend der Raumheizung dienen. Geräte nur fürs Warmwasser sind ausgeschlossen. Manche Anbieter behaupten das Gegenteil – das widerspricht der Förderrichtlinie.
Es gibt aber andere Wege:
- Steuerbonus nach § 35c EStG: 20 % der Kosten über drei Jahre für energetische Einzelmaßnahmen an selbstgenutztem, mindestens zehn Jahre altem Wohneigentum. Wichtig: entweder BEG-Zuschuss oder Steuerbonus, keine Doppelförderung.
- Als Teil einer geförderten Gesamtsanierung (Effizienzhaus).
- Kommunale Programme – lohnt die Nachfrage bei den örtlichen Stadtwerken.
Unser Rat: Rechnen Sie nicht mit einer direkten Bundesförderung, und klären Sie den Steuerbonus am besten vor dem Kauf mit Ihrem Steuerberater oder einem Energieberater.
Und die Warmwasserhygiene?
Eine berechtigte Frage bei den vergleichsweise niedrigen Temperaturen. Legionellen sterben ab 60 °C zuverlässig ab. Deshalb haben Brauchwasser-Wärmepumpen einen elektrischen Heizstab und ein automatisches Aufheizprogramm, das den Speicher regelmäßig auf rund 60 °C bringt. Dieses Programm sollte aktiviert sein. In Ein- und Zweifamilienhäusern besteht keine gesetzliche Prüfpflicht – die greift erst ab Speichern über 400 Liter – die 60 °C bleiben aber die empfohlene Praxis.
Unser Rat
Wenn bei Ihnen noch ein alter Elektroboiler läuft oder die Heizung im Sommer nur fürs Warmwasser durchläuft, ist eine Brauchwasser-Wärmepumpe eine der günstigsten Modernisierungen überhaupt – besonders mit eigener PV-Anlage. Wir schauen uns Ihren Keller an, prüfen Aufstellort und Anschluss und rechnen Ihnen die Ersparnis konkret vor. Verspricht Ihnen jemand eine dicke Förderung für ein reines Warmwassergerät, werden Sie hellhörig.
Anfrage starten oder anrufen: 04182 5827.
Quellen & weiterführende Informationen
- Verbraucherzentrale Energieberatung: Brauchwasserwärmepumpe
- co2online: Warmwasser-Wärmepumpe – Kosten, Vor- und Nachteile
- BAFA: Fördervoraussetzungen „Heizen mit Erneuerbaren Energien”
- Umweltbundesamt: Trinkwarmwasserkonzepte für Gebäude mit Wärmepumpe
Weiterführend im Magazin: Wärmepumpe im Altbau: geht das? · Legionellenprüfung: Wer prüfen lassen muss · Energie sparen an der Heizung